Wort zum Sonntag, den 14. Juni 2020 in Wuppertal-Elberfeld/Ostersbaum

Liebe Geschwister,

seid gegrüßt mit der siebten „Lebensregel“ von Martin Schleske. Die ersten sechs kennt Ihr ja schon:

  • Lass dich führen!
  • Gib acht, dass dein Leben in der Anbetung bleibt!
  • Lass los, was du mit Druck erreichen willst. Nur die selbstsüchtigen Dinge kannst du erzwingen; die wesentlichen Dinge aber sollst du empfangen.
  • Sei nicht träge, das zu tun, was dir klar geworden ist.
  • Halte dich nicht für klug, sondern erlaube der Weisheit Gottes, dich zu überraschen!
  • Sei bereit, deinen Weg vor Gott zu verantworten, und sage nicht, du seist moralisch zu schwach. Denn du sollst aus der Vergebung deiner und deiner Mitmenschen leben.
  • Nur wer reinen Herzens ist, wird Gott schauen. Halte darum jede Bitterkeit von dir fern. Wundere dich, aber ereifere dich nicht. Halte deine Seele durch bleibendes Gebet in der Stille.

 

Der Predigttext für den 14. Juni steht in Apostelgeschichte 4,32-37 (Neue evangelistische Übersetzung):

32 Die ganze Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Niemand betrachtete etwas von seinem Besitz als privates Eigentum. Was sie besaßen, gehört ihnen gemeinsam.

33 Machtvoll bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus und ein großer Segen lag auf ihnen allen.

34 Keiner in der Gemeinde musste Not leiden, denn wer ein Haus oder Grundstück besaß, verkauft es, wenn nötig, und stellte das Geld der Gemeinde zur Verfügung.

35 Man tat das, indem man es vor die Apostel hinlegte. Davon wurde jedem Bedürftigen zugeteilt, was er brauchte.

36 So machte es auch Joseph, ein Levit, der aus Zypern stammte und von den Aposteln den Beinamen Barnabas erhalten hatte, was bedeutet: Einer, der andere ermutigt.

37 Er besaß ein Grundstück, verkaufte es und legte das Geld vor die Apostel hin.

Dieser Bibelabschnitt zeigt, was Gemeinschaft bedeutet, obwohl das Wort Gemeinschaft gar nicht darin vorkommt. Wir wollen diesem Gedanken einmal nachgehen: „Sie waren alle EIN Herz und EINE Seele.“ Sie waren nicht eine Interessensgemeinschaft, sondern hier bestand ein innere Verbundenheit, die das Denken, Fühlen und Wollen mit einschloss. Ja, diese Verbundenheit umfasste die ganze Person. Man fragt sich unwillkürlich, wir kommt das zustande, wie lange hat es bestand und ist das heute auch noch möglich und erstrebenswert? Alle die dazugehörten, verzichteten auf ein Grundrecht, dass in sogar in unserem Grundgesetz verankert ist. Artikel 14GG, dort heißt es:

(1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.

(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

Hier, bei der ersten Christengemeinde wurde nichts durch ein Gesetz geregelt, sondern durch das Herz und durch die Erfordernisse der Gemeinschaft. Was für ein Zeugnis! Die Gemeinschaft war in dem Auferstandenen Jesus Christus begründet. ER war es, der die Gemeinde eint und ER ist es, der das auch heute tun kann. ER kann Herzen und Sinne bewegen zu dem Anderen hin. Eine tiefe Sehnsucht des Menschen findet hier ihre Erfüllung – in der Gemeinschaft mit anderen Menschen ganz aufgehen. In extremer Weise ist das gefährlich und ist davon abzuraten. Es besteht die Gefahr der unguten Manipulation. Einige werden vielleicht ein ähnliches Phänomene kennen z.B. bei einem Konzert, das alle mitreißt und alle die Wirklichkeit vergessen lässt. Das ist okay. Weil bei den ersten Christen die Basis und der Grund der Gemeinschaft Jesus Christus selber ist, braucht vor solcher Gemeinschaft nicht gewarnt werden, sondern sie soll angestrebt werden. Hier, bei den ersten Christen war es eine natürliche Reaktion auf das Unvorstellbare, das sie erlebt hatten. Es war ohne Zweifel ein Folge der Ausgießung des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist eint und spaltet nicht. Er führt in die Gemeinschaft mit Jesus Christus und Gott dem Vater und in die Gemeinschaft der Kinder Gottes. „Machtvoll bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus und ein großer Segen lag auf ihnen allen.“ (Vers 33) Augenzeugen berichteten von der Auferstehung. Obwohl keiner den Prozess der Auferstehung gesehen hatte, waren sich alle Apostel sicher: Jesus ist gekreuzigt worden und nach drei Tagen auferstanden. Gott segnet das Zeugnis der Gemeinde großzügig, wie genau, wird nicht gesagt, aber es heißt in unserem Text, dass ein großer Segen auf allen lag! Wie wunderbar! Wünschen wir uns das nicht auch? Gott segnet die GEMEINSCHAFT der Gläubigen. In ihrem Mittelpunkt steht etwas, dass nicht zur Diskussion steht und unumstritten ist: Die Auferstehung Jesu, die alles verändert.

Viele Menschen, die sich nicht als Christen bezeichnen würden, sehnen sich nach tiefer Gemeinschaft, heute würde man auch sagen Verbundenheit. Auch der Begriff der Heimat, der lange Zeit altmodisch daherkam,  hat wieder an Bedeutung gewonnen. Auch das deutet darauf hin, dass sich Menschen nach Anbindung sehnen. Siegfried Lenz hat es in seinem Roman Heimatmuseum ausgedrückt: Heimat, das ist da, wo man wiedererkannt wird. Und das will wohl jeder: wiedererkannt werden. (Frei aus dem Gedächtnis „zitiert“)  Die Gemeinde Gottes will so ein Ort sein, wo Menschen, diese Verbundenheit erleben können. Christen schweißt ja die enge Verbundenheit mit Jesus zusammen. Diese Verbundenheit ist nie so eng, dass da nicht noch sehr viel Platz wäre für Menschen, die sich auch nach dieser Verbundenheit sehnen.

In der Gemeinde in Jerusalem hatte man die Bedürftigen im Blick. Sie brauchten nicht für ihre Rechte zu kämpfen. Es heißt in unserem Text: „Jedem Bedürftigen wurde zugeteilt, was er benötigte.“ (Vers 35) Das war möglich, weil Gott das Herz von Menschen bewegt hatte, alles zu geben und sich ganz auf IHN zu verlassen. Solche Menschen sind ERMUTIGER wie Josef ein Levit aus Zypern, der in unserem Abschnitt namentlich erwähnt wird.

Heute habe ich einmal drei Buchempfehlungen für Euch:

1.Gilbert Bilezikian: Gemeinschaft – Gottes Vision für die Gemeinde

2.Dietrich Bonhoeffer: Gemeinsames Leben

3.Offensiv junge Christen: Wie Gefährten leben

Noch ein Hinweis:

Als Gegenpol zur Gemeinschaft benötige ich die Einsamkeit und die Stille. Das Alleinsein vor Gott ist für mich eine Voraussetzung, um wirklich Gemeinschaft mit anderen zu erfahren. Das widerspricht nicht allem anderen, das vorher gesagt wurde. Ich möchte auf den Satz von Martin Schleske zurück kommen: „Nur wer reinen Herzens ist, wird Gott schauen. Halte darum jede Bitterkeit von dir fern. Wundere dich, aber ereifere dich nicht. Halte deine Seele durch bleibendes Gebet in der Stille.“ Das reine Herz schenkt mir Gott immer wieder, indem er mir meine Schattenseiten aufzeigt. Dadurch werde ich fähig meine Schuld und Sünde zu erkennen. Ich darf um Vergebung bitten. So entsteht das „reine Herz“ immer wieder neu. Dazu braucht es die Stille und die Einsamkeit. Die anderen Aufforderungen, die in der Lebensregel enthalten sind, haben ihre besondere Bedeutung für die Gemeinschaft. Okay, ich scheitere an diesem hohen Anspruch, aber ich will mich mit Gottes Hilfe darin üben, alle Bitterkeit von mir fern zu halten und mich nicht zu ereifern. Die Gemeinschaft ist es absolut wert!

Segen:

Herr, wir bitten.

Komm und segen uns!

Lege auf uns deinen Freiden

Segnend halte Hände über uns,

rühr uns an mit deiner Kraft!

Und der Friede Gottes,

der höher ist als alle Vernunft,

bewahre eure Herzen und Sinne

in Jesus Christus unserem Herrn!

Werner Meier

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